Märkischer Motettenkreis Iserlohn

"Collegium Cantorum" 

Dr. Wolfgang Besler
Dirigent des Märkischen Motettenkreises

Dr. Wolfgang Besler studierte neben Jura auch Kirchenmusik in Hannover, Münster und Dortmund. Zu seinen bedeutendsten Lehrern zählten die Professoren Manfred Brandstetter (Musikhochschule Hannover) und Dr. Martin Blindow (Musikhochschule Dortmund). Nicht vergessen wird Wolfgang Besler die Impulse, die er durch den legendären 1904 geborenen Kirchenmusikdirektor Gustav Sasse drei Jahre an der Marktkirche Hannover erfahren hat. Verschiedene Dirigierkurse bei Prof. Dr. Helmuth Rilling an der Bach-Akademie Stuttgart und hier die intensive Arbeit mit dem Bach-Collegium Stuttgart und der Gächinger Kantorei in der Stiftskirche Stuttgart waren die Initialzündung, sich neben der Aufführung Bachscher Oratorien und Passionen auch der Erarbeitung großer romantischer Werke zuzuwenden.

Nach einer einjährigen Assistenz bei Prof. Brandstetter an der Marktkirche Hannover und kirchenmusikalischen Stationen in Münster und Lünen, kam Wolfgang Besler im Jahre 1976 nach Iserlohn. Hier ist er seit nunmehr über 30 Jahren als Kirchenmusiker an der Johanneskirche tätig. 1979 gründete er den Johannes-Chor und 1980/81 den Märkischen Motettenkreis. Seit Anbeginn finden in der Johanneskirche mit guter Resonanz regelmäßige Konzerte statt. Seit nunmehr über 25 Jahren ist der jährliche Iserlohner Orgel-Sommer fester Bestandteil im Kulturleben der Stadt.

 

Jubiläum Dr. Wolfgang Besler

Iserlohn. Mit Georg Philipp Telemann und Heinrich Schütz verbindet ihn dieBerufskonstellation Musiker und Jurist. „Das ist gar nicht so selten“, konstatiert Dr. Wolfgang Besler, der als Jurist auf ein erfolgreiches Berufsleben zurückblicken kann und nebenberuflich als Organist und Chorleiter Großartiges geleistet hat. Der Johannes-Chor und der Märkische Motettenkreis Iserlohn „Collegium Cantorum“ sind seine „Kinder“. Dieser Tage feierte der frühere Richter am Verwaltungsgericht in Arnsberg und langjährige Beigeordnete der Stadt Iserlohn an der Johanneskirche sein 40-jähriges Dienstjubiläum als Kirchenmusiker. Im April 1976 trat er seinen Dienst in der evangelischen Kirchengemeinde an. Seither wirkte er musikalisch bei mehr als 3 000 Gottesdiensten mit und zeichnete für weit über 100 Konzerte – zum großen Teil selbst gestaltet – verantwortlich. Dass er dabei zur Frauenkirche Dresden ein festes Band knüpfte, ist eine wunderbare Fügung, die viel mit ihm und seiner Lebensgeschichte zu tun hat. Kein Geringerer als Matthias Grünert, Kantor der Dresdner Frauenkirche, hielt beim Sonderkonzert „Pro Musica“ am 17. April eine Laudatio auf den Jubilar. „Vor 40 Jahren hast du deinen kirchenmusikalischen Dienst hier an dieser Kirche aufgenommen, lieber Wolfgang! Eine unglaublich lange Zeit, aus meiner Sicht, trug ich selbst damals noch Windeln und war gerade ein laufender Meter. Aber immerhin habe ich die zurückliegenden 10 Jahre deines Wirkens aus Dresden verfolgen dürfen, alljährlich tauschten wir uns dort und hier in Iserlohn in vielen schönen Begegnungen aus. Du warst mit dem von dir gegründeten Märkischen Motettenkreis dreimal in der Frauenkirche zu Gast und hast in unterschiedlichen Programmen das Können und die Kunst deiner Sängerinnen und Sänger eindrucksvoll einer großen Hörerschaft nahegebracht…“, erklärte Grünert beim Konzert.

Wenn er über seinen Werdegang spricht, holt Wolfgang Besler aus gutem Grund weit aus. „Meine Mutter ist mit dem letzten Zug aus Ostpreußen herausgekommen und in Dresden gelandet“, erzählt er. Als dort ein Flüchtlingstreck aus Schlesien eintraf, verließ sie die beengte Stadt – gerade noch rechtszeitig vor der verheerenden Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945, als britische Bomber die Stadt in Schutt und Asche legten. „Von dem schlesischen Flüchtlingstreck hat keiner überlebt. Zur Welt gekommen bin ich dann in Auerbach im Vogtland.“ Am 14. Mai 1945 war das. Diese Geschichte und die Bewahrung vor dem Grauen war für den Wahl-Iserlohner stets ein Grund, sich Dresden verbunden zu fühlen.Als der Vater aus dem Krieg heimkehrte, ließ sich die Familie in Magdeburg nieder. Im Rückblick betrachtet ein Fehler. „Mein Vater – er war bei den Pfeifferschen Stiftungen beschäftigt – war Stasi-Opfer und ist auch gefoltert worden.“ In einer Nacht und Nebel-Aktion 1953 flohen Vater und Sohn. „Die zweite Verhaftung stand bevor.“ Die Mutter kam später nachDass sie die Erlaubnis zur Ausreise erhieltwar alles andere als selbstverständlich. Lünen, wo 1956 Wolfgang Beslers Schwester zur Welt kam, wurde zur zweiten Heimat der Familie. Musikalisch war Wolfgang Besler von klein auf von der Orgel fasziniert. Wie er schmunzelnd erzählt, soll er bereits bei seiner Nottaufe nur still gewesen sein, wenn die Orgel erklang. Nach einem Jahr Klavierunterricht fand er in Hannover inKirchenmusikdirektor Gustav Sasse einen begnadeten Orgellehrer, der ihn nachhaltig prägte. „Er hatte sonst nur Meisterschüler und hat mich als Anfänger genommen.“ Als weitere bedeutende Lehrer seien die Professoren Manfred Brandstetter (Musikhochschule Hannover) und Dr. Martin Blindow (Musikhochschule Dortmund) hervorgehoben. In der Chorleitung wurde Wolfgang Besler durch mehrere Studien bei Prof. Helmuth Rilling an der Johann-Sebastian-Bach-Akademie in Stuttgart geprägt. Mit Blindow verbindet den Iserlohner bis heute eine tiefe Freundschaft. Die Entscheidung, Jura im Hauptberuf zu studieren, hat Wolfgang Besler nie bereut. Nach einem langen Arbeitstag war ihm die Musik stets „eine Kraftquelle und Glaubensstärkung all die Jahre und ist es heute noch.“ Wenn er noch so viel Stress hatte: Die Musik brachte das innere Gleichgewicht zurück. Der Liebe wegen kam der Organist und Chorleiter, inzwischen aufgrund seiner Verdienste von der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche von Westfalen zum Kantor ernannt, nach Iserlohn, wo er in der Johanneskirche eine geistliche Heimat fand. 1979 gründete er den Johannes-Chor und 1980/81 den Märkischen Motettenkreis, der sich mit Aufführungen der großen kirchenmusikalischen Werke einen hervorragenden Ruf erwarb. Die Gottesdienste und Konzerte in der Frauenkirche gehören zu den Höhepunkten in Wolfgang Beslers Musikerleben. 2008, 2011 und 2015 folgten die Iserlohner einer Einladung nach Dresden. In diesem Jahr tritt Besler, der ein weit gespanntes Netzwerk um sich aufgebaut hat, mit seinem90-köpfigen Chor im Bremer Dom auf. Fest etabliert hat der rührige Iserlohner zudem den Iserlohner Orgelsommer im Veranstaltungskalender der Stadt. In Planung ist eine Vielzahl von Konzerten, die ihre Schatten bereits ins Lutherjahr 2017 werfen. Das nächste Sonderkonzert „Pro Musica“ am 5. Juni (18 Uhr) in der Johanneskirche am Berliner Platz ist Werken von Bach und Reger vorbehalten. Von den weiteren Konzerten seien Händels „Alexander’s Feast or The Power of Music“ mit englischen Solisten im November und Mendelssohns „Paulus“ im kommenden Jahr hervorgehoben. Wenn der Mottenkreis singt, singt stets die gesamte Familie Besler mit. Wolfgang Besler ist sicher, dass auch die zweijährige Enkelin einmal eine gute Sängerin wird. MS